Leirhnjúkur (Krafla) und Goðafoss

Lavafeld und Nebel
Lavafeld und Nebel

13. Juli 2009

Heute Morgen regnet es. Die Berge auf der anderen Seite des Fjordes reichen jetzt bis in die Wolken. Wir buchen die Walsafari für morgen und machen uns auf zum Vulkan Krafla, genauer, zu dem geothermischen Gebiet in seiner Nähe, Leirhnjúkur. Leirhnjúkur ist Teil der Caldera der Krafla und die abgefahrendste Landschaft, die ich in meinem Leben bisher gesehen habe.

Gleich am Anfang empfängt uns eine vertikale dampfende Spalte in einem kahlen, in hellem Ocker gefärbten Hügel. Das Brodeln und Zischen dringt zu uns herüber. Aus kleinen Löchern wehen schmale weiße Fahnen von Rauch. Nach kurzem Anstieg blickt man in eine surreale Welt.

Ein hell türkis leuchtender See mit gelben Rändern. An seinem Rand kocht in kleinen Becken brodelnd das Wasser und blubbert der Schlamm. Dampf weht über das Bild. Aus ockergelben Solfataren entweicht zischend der Dampf. Es stinkt nicht ganz so erbärmlich wie gestern in Námaskarð, aber immer wieder mal erwischt einen ein Geruch, ganz so, als ob die Erde ausgiebig einen fahren lassen hätte.

Gleich daneben liegt schwarze Lava und Schlacke. Das Farbspektrum reicht von tiefschwarz bis metallgrau. Man wird das Gefühl nicht los, dass dies alles gerade eben erst erstarrt ist. Was ja auch stimmt, geologisch gesehen ist seit den letzten Ausbrüchen höchstens ein Augenblick vergangen. Krafla brach zuletzt 1975 bis 1984 aus. Noch heute bricht hier das Feuer immer wieder einmal an die Oberfläche. Tatsächlich weht es uns aus den Klüften in der Lava warm an. Ohne Gestank nach Schwefel! Das Gestein fasst sich nirgends kalt, oft sogar laufwarm an. In einer größeren Spalte wäre es richtig behaglich, würde sich die Schlacke nicht so unangenehm rau anfassen. Man ahnt den Fluss der Lava, das Aufbrechen des Stroms, das Zerplatzen von Blasen und das Zerbrechen von Platten. Man sieht förmlich das zeitlupenhafte, unerbittliche Vordringen des Lavastroms. Die schwarze Zunge bleckt ins braungraue Tal. Es kann jeder Zeit wieder losgehen.

Warmwasserbach
Warmwasserbach
Geothermisches Kraftwerk
Geothermisches Kraftwerk
Saubere Energie
Saubere Energie
Leirhnjúkur
Leirhnjúkur
Lebendige Erde
Lebendige Erde
Dampfende Erdspalte
Dampfende Erdspalte
Dampfende Erdspalte II
Dampfende Erdspalte II
Lavariegel
Lavariegel
Surreales Island
Surreales Island
Kochendes Wasser I
Kochendes Wasser I
Kochendes Wasser II
Kochendes Wasser II
Kleine Solfatare
Kleine Solfatare
Kochendes Wasser III
Kochendes Wasser III
Ocker in Schwarz
Ocker in Schwarz
Juwel
Juwel
Lava mit Rot
Lava mit Rot
Erstarrte Lava
Erstarrte Lava
Lavafeld
Lavafeld
Zerrissen
Zerrissen
Farbspiel
Farbspiel

Ansonsten ist es kalt und feucht. Wir ziehen über die Kleidung der letzten Tage noch Flies und Regenjacke. Mütze und Handschuhe wären auch gut, hätten wir sie nicht leichtsinnigerweise in unserer Hütte gelassen. Sommerurlaub eben. Mit klammen, blauen Fingern bedienen wir Fotoapparate und Camcorder. Immer wieder muss das Objektiv abgewischt werden. Zum Glück liegt das eigentliche Objektiv sicher vor Wasser und schwefelsäuren Dämpfen hinter einem UV-Filter verborgen. Als wir zurück zum Mückensee fahren, vorbei an geothermischen Kraftwerken und einem blauen, dampfenden, handwarmen Bach frösteln wir noch immer. Im Kaffee des Naturbades Myvaten machen wir Rast, und erholen uns bei einem köstlichen Gebäck und Kaffee.

Myvatn Naturbad I
Myvatn Naturbad I
Myvatn Naturbad II
Myvatn Naturbad II
Singschwäne
Singschwäne

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(Länge: 0:28 Min.)

Wir fahren weiter auf der Ringstraße, vorbei am Myvatn, wo sich die Singschwäne tummeln. Ihr Gesang trägt weit über das Wasser.

Bald erreichen wir einen der eindruckvollsten Wasserfälle Islands, den Goðafoss. In einem Halbkreis stürzt das Wasser in mehreren Abschnitten tosend herunter. Es donnert und brodelt. Vom Gletscherabrieb grün gefärbte Wasserstrudel tanzen wild der nächsten Kaskade zu. Man kann den Fall von beiden Seiten bewundern. Am beeindruckendsten ist es jedoch, wenn man flussabwärts rechts vom Wasserfall zu seinen Füßen steht, da, wo das Wasser auf den Fluss fällt. Zehn Meter über einem beginnt der Sturz, der unten das Wasser spritzen und schäumen lässt. Man kommt hier ganz nah ran, fast meint man, den Wasserfall mit Händen greifen zu können. Der Mensch wirkt in diesem Kraftakt des Wassers klein, sehr klein, fast so klein, wie das Entenkücken, das nahe an den gefährlichen Strudeln am Ufergras zupft.

[wpmaps]

In der Ferne: Goðafoss
In der Ferne: Goðafoss
Goðafoss I
Goðafoss I
Goðafoss
Goðafoss
Goðafoss II
Goðafoss II
Goðafoss III
Goðafoss III
Wasserfall
Wasserfall
Fallendes Wasser
Fallendes Wasser
Verloren
Verloren
Stimmungsvoll
Stimmungsvoll
Entenkücken
Entenkücken
Goðafoss
Goðafoss

Den Abend verbringen wir wieder im Wirlpool mit angenehmen 36 Grad. Die Landschaft sieht trotz niedrig hängender Wolken noch immer imposant aus. Wir lassen uns wärmen und schauen den kreischenden Möwen beim Insektenjagen und Brüten zu. Aufgeregt flattern sie über ihren Nestern. Immer wieder kreischt aufgeregt ein ganzer Schwarm durch die Luft. Kommt man ihnen zu nahe, gehen sie zum Sturzflug über und drehen erst wenige Zentimeter vor dem Kopf bei. Im Fjord und auf dem Meer bilden wir uns ein, die Blau-, Buckel- und Killerwale schwimmen, springen und tauchen zu sehen. Man muss nur lange genug auf einen Fleck schauen.

Landwirtschaft
Landwirtschaft
Eins ist immer dabei
Eins ist immer dabei
Stimmung bei Húsavík
Stimmung bei Húsavík
Überflug
Überflug
Anflug
Anflug
[audio:https://unterwegsblog.de/wp-content/uploads/2009/09/Angriff-der-Moewen.mp3]

(Länge: 0:12 Min.)

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