Internationaler Kunstwanderweg Hoher Fläming: Von Wiesenburg über Klein Glien und Hagelberg nach Belzig

Hund mit Ahnen

27. Juli 2010

Internationale Kunst und die stille Schönheit der Landschaft des Hohen Fläming, das ist eine spannende Kombination: der Kunstwanderweg Hoher Fläming. Deshalb haben wir uns endlich auf die Wanderung ganz in unserer Nähe gewagt. Um es vorweg zu sagen, es hat sich mehr als gelohnt, auch wenn es am Ende noch ein gravierendes Problem gab.

Gestartet sind wir in Wiesenburg. Der Zug aus Richtung Berlin kommt gegen 10 Uhr auf dem dortigen Bahnhof an. Eine günstige Zeit. Denn der Bahnhof liegt so weit außerhalb von Wiesenburg, dass man gut und gerne eine dreiviertel Stunde bis in den Ort läuft, zumal, wenn man Urlaub hat und auf Wanderschaft ist. Gleich nach dem Bahnhof begrüßt uns eine Holzinstallation von Schülern. Die Sagengestalten stimmen wunderbar auf den Fläming ein. Mir gefällt am besten der Lindwurm, der sich von Kühen ernährt.

Auf dem Weg nach Wiesenburg kommen wir an knorrigen Eichen vorbei, an deren Stamm ein Zettel vor dem Eichenprozessionsspinner warnt. Dessen Härchen sind so giftig, dass allein die Berührung mit ihnen ernsthafte Allergien auslösen kann. Gleich neben dem Weg, unter tief hängenden Zweigen das erste Kunstwerk. Kleine rosa pilzähnliche Gebilde, auf denen verschiedene Sinne aufgeschrieben sind. Eine Tafel mit Zitaten des ehemaligen Schloss- und Parkgestalters von Watzleben lässt den Zusammenhang zum Ort erahnen.

Durch den Park Wiesenburg

Wir nähern uns dem Wiesenburger Park von hinten. Er ist die wahre Perle in der Perle des Fläming, wie Wiesenburg auch genannt wird. Ganz in der Manie seiner Entstehungszeit glänzt er mit eindrucksvollen Sichtachsen und großen, solitär stehenden Bäumen. Immer wieder erwischt man einen Blick auf das Schloss, das leicht erhöht über dem Park thront, ohne ihn zu domestizieren. Auf dem Parkteich schwimmen Enten und Schwäne, die neugierig heranschwimmen, offenbar in der Hoffnung auf einige Brotkrumen. Wir genießen den Park des ehemaligen Schlossherren von Watzleben, seine Kombination aus natürlich wirkender Landschaft und kunstvoller Anmut. Von den Terrassen vor dem Schloss bietet sich ein herrlicher Blick auf den Teich, auf die Wiesen und auf die großen Bäume. Das Schloss selbst ist leider bis auf das Torhaus und den Turm tabu. Jemand hat dort private Wohnungen eingerichtet und dadurch zugleich das Schloss vor dem Verfall gerettet und es der Allgemeinheit entzogen. Kapitalismus halt.

Zur Remise

In der Schloßschenke Zur Remise erfrischen wir uns an einem Bierchen. Hier leihen wir auch den Audioguide aus. Wir wollen zwei, es ist aber nur noch einer verfügbar. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, der sollte am besten seinen eigenen MP3-Player nutzen und sich vorher die Dateien aus dem Internet herunterladen. Leider sind diese nicht aufgeteilt, wodurch die einzelnen Dateien ziemlich groß werden. Dafür wird unser Beleg nicht kontrolliert. Falls wir es darauf angelegt hätten, falsche Daten anzugeben, hätten wir bei der Gelegenheit gleich noch einen iPod nano für vier Euro gekauft. Auf der uns übergebenen Routenkarte fehlen alle Angaben über Empfang und Rückgabe des Gerätes. Es gibt, wie wir später erfahren, auch andere Karten, aber wir erhalten diese jedenfalls hier nicht. Um nicht missverstanden zu werden, die Remise ist jeden Besuch wert, wie wir aus vorherigen Besuchen wissen. Nur mit dem Audioguide, da fehlt halt noch ein wenig Erfahrung.

Der Audioguide aber ist unbedingt empfehlenswert. Auf unterhaltsame Weise ganz jenseits hehrer Museumsherrlichkeit wird einem Wissens- und Nachdenkenswertes über die auf der Wegstrecke liegenden Kunstwerke und über Land und Leute vermittelt. Man ist mit diesen Geschichten so sehr beschäftigt, dass die Zeit der Wanderung wie im Fluge vergeht.

Auf der Südroute

Wir wenden uns der neuen, der Südroute zu. Gleich hinter Wiesenburg warten zwei spannende Kunstwerke auf uns. Die Kapelle stammt von Ute Hoffritz und (K)urier(en) von Silke De Bolle. So wie diese beiden Kunstwerke stammen die meisten von deutschen und holländischen Künstlern. Dadurch soll der keinesfalls zufällige Gleichklang von Flamen und Fläming aufgegriffen werden. Die Kapelle erinnert an die längst aufgegebenen und verschwundenen Dörfer des Fläming. Die prallen, schwarz-weißen, auf Kopf stehenden Euter der (K)urier(en) erinnert ganz unmittelbar an die Rinder auf der Weide nebenan. Eine bessere künstlerische Umsetzung des Ortes ist kaum vorstellbar. In der Ferne grüßen der Schloss- und der Kirchturm von Wiesenburg.

Auf einem uralten Feldweg, dessen Baumbestand gerade erneuert wird, geht es Richtung Borne. Alte, wahrscheinlich fast vergessene Obstsorten wechseln sich ab mit neuen Anpflanzungen. Kaum im angrenzenden Kiefernwald angekommen begegnen wir den Publikumslieblingen der Kunstroute, den Wölfen von Marion Burghouwt. Tatsächlich beeindruckt auch uns dieses Kunstwerk. Es erinnert an die Wiederinbesitznahme der Landschaft durch die Wölfe, aber auch an uralte Ängste der Menschen und die gleichzeitig vorhandene Faszination. Wir stellen unseren Hund mitten unter die Wölfe und machen ein Gruppenfoto mit Ahnen.

Der Porzellanbaum von Barbara Vandecauter nur wenig weiter im Wald beeindruckt uns zunächst keinesfalls. Eine weiße Säule im Wald, und? Dank des Audioguides erfahren wir jedoch mehr über die Idee, und finden sie dann doch spannend. Leichter erschließt sich die Ruhende Brücke von Hannes Forster. Neben einem Viadukt der Wetzlarer Bahn liegt eine unverkennbare kleine Nachbildung der Brücke auf dem Rücken.

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Über Groß Glien zur Nordroute

Wir beschließen einen Abstecher auf dem Verbindungsstück zwischen der Süd- und der Nordroute zu machen und uns noch die Weltentür von Sebastian David anzusehen. Die Idee, damit nicht nur an das aufgegebene Groß Glien zu erinnern, sondern an die Welt als Ganzes, fasziniert uns. Nur leider, vielleicht sind wir zu sehr ins Gespräch vertieft, vielleicht ist die Ausschilderung zu schlecht, jedenfalls verpassen wir die Tür. Das heißt, wir finden eine Tür im Wald, doch statt einer gemauerten Tür eine aus Eisen, in frisches Zement gestellt und mit weißen Schnüren gesichert. Ungeachtet dieser Enttäuschung beschließen wir dem Rat des Audioguide zu folgen und einen Abstecher zum Gutshof Klein Glien zu machen.

Dieser erweist sich also so vornehm, dass wir kaum wagen, ihn mit unserer Wanderkleindung zu betreten. Doch die Hausherrin empfängt uns so einladend freundlich, dass wir nicht nur etwas trinken, sondern sogar fürstlich speisen. Der Gutshof, zugleich Hotel und Restaurant, ist eine Empfehlung wert. Das Essen hat durchweg einen Hauch Extravaganz und passt ganz in den ambitionierten Gutspark. Dabei ist es keinesfalls so teuer, wie uns der erste Eindruck suggerierte.

Weiter auf der Nordroute

Einmal in Klein Glien bleiben wir auf der Nordroute. Wir wenden uns Hagelberg zu und besteigen den höchsten Berg Brandenburgs. Stolze 201 Meter! Hier fand 1813 die berüchtigte Kolbenschlacht zwischen Preußen und Franzosen statt. Nach anhaltendem Regen war den Truppen das Pulver nass geworden, so dass sie mit Kolben und Bajonetten aufeinander eindroschen.

Am Ortsausgang von Hagelberg bewundern wir die Steinschlange von Victor Bisquolm. Diese Skulptur unter alten Obstbäumen entstand bereits für einen Vorläufer des Internationalen Kunstweges. Unser Weg führt uns weiter zur Jagd von Jörg Schlinke, in der kitschige Gemälde seligen Andenkens gekonnt aufgegriffen werden. Weiter zur monumentalen Holzkonstruktion Unter Kiefern von Susken Rosenthal. Hier wachsen Kiefern durch hausgroße Balkenkonstrukte. Ein Neben- und Miteinander von Natur und menschlicher Konstruktion. Intermezzo von Susanne Ruoff gefällt uns weniger. Ohne das Hinweisschild würde man die wenigen schwarzen Ringe um die Birken wohl kaum bemerken.

Ein Stück weiter erleben wir auch die einzige Enttäuschung mit dem Audioguide. Während er ausführlich über die Historie von 1813 plaudert, wird nur auf eine Gedenktafel hingewiesen, ohne dass man erfährt, worum es eigentlich geht. Es geht um das Außenlager Roederhof des KZ Ravensbrück, was wir aber nur durch aufmerksame Zeitungslektüre wissen. Im Audioguide hätten wir uns schon ein, zwei Sätze gewünscht, so dass auch der Ortsfremde weiß, worum es geht. Die angekündigte Informationstafel entdecken wir leider nicht, wir sind inzwischen auch zu müde, um danach zu suchen.

Ankunft in Bad Belzig

Dann erreichen wir die Kreisstadt Bad Belzig. Kurz biegen wir noch einmal auf die Südroute ein. Die drei Sphären von Marie-Christine Blomme erinnern an Spuren von Insekten, an eine Rose und an eine Pusteblume. Carsten Tarrachs Weiße Frau ein wenig später erinnert an eine hiesige Sagengestalt.

Schließlich erreichen wir die Burg Eisenhardt, eine von drei im Hohen Fläming. Völlig überrascht stellen wir fest, dass wir den Audioguide nicht loswerden. Der Souvenierladen hat schon geschlossen, das Hotel ist gänzlich dicht. Im Zentrum die Touristeninformation macht auch gerade zu. Da stehen wir nun mit einem iPod in der Hand, und wissen nicht, wohin damit. Dabei konnten wir ihn erst nach 11 Uhr in Wiesenburg ausleihen. Wir hätten schon sehr straff wandern müssen, um bis 16 Uhr, da schließt der Souvenirladen, Belzig zu erreichen. An diesem Punkt stirbt das schöne, ansonsten überzeugende Konzept Internationaler Kunstwanderweg Hoher Fläming. Die Ausleihe des Audioguide in Wiesenburg ist zu spät möglich, auch erst, nachdem man an den ersten Kunstwerken vorbei ist. In Belzig wird man das Gerät nicht mehr zu normalen Zeiten los, am Wochenende noch viel schwerer als unter der Woche. Gut, dass wir in der Region wohnen, und nur zwei Tage später wieder nach Belzig wollen. Dann wir die Rückgabe trotz der Verspätung unkompliziert und freundlich in der Touristeninformation geregelt.

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