Kjölur, Gullfoss und Strokkur

Gullfoss
Gullfoss

16. Juli 2009

Der Wecker klingelt zur selben Zeit wie gestern, um 5:45 Uhr. Wir müssen aufbrechen in unser Ferienhaus in Südisland. In einer dichten Suppe, die jeden Londoner vor Neid erblassen lassen würde, verabschieden wir uns von Húsavík. Eine halbe Stunde später tanzen die ersten Sonnenflecken auf den Bergen vor uns. Mit jedem Kilometer wird das Wetter freundlicher. Wir nähern uns dem 160 km langem Kjölur, einem der beiden großen Hochlandwege in Island.

Idylle bei Varmahlíð
Idylle bei Varmahlíð
Bei Varmahlíð
Bei Varmahlíð
Landwirtschaft
Landwirtschaft
Bauernhof
Bauernhof

Gestern Abend hatten wir lange gerätselt, welchen Weg wir vom Norden in den Süden des Landes nehmen sollten. Weiter die Ringstraße entlang hätte uns gefallen, aber wir mussten einsehen, dass das einfach nicht zu schaffen ist. So nehmen wir den Weg, den wir bei der Herfahrt ausgelassen hatten, quer durch die Hochebene, Straße 35, wem das etwas sagt. Man sagt, dass sei mit jedem Auto zu schaffen, und irgendwie stimmt das ja auch. Aber eben nur irgendwie. Nach wenigen Kilometern Teerstraße landen wir auf einer anfangs glatten Schotterpiste. Der Bus vor uns schließt uns mit seiner kilometerlangen Staubfahne ein. Die Straße vor uns ist manchmal kaum durch den Staub hindurch auszumachen. Der Blick in den Rückspiegel verschwindet ebenso im Staub Islands. Wir machen eine Pause, bevor es überhaupt richtig losgegangen ist.

Später gibt es nicht mehr glatte Pisten mit viel Staub, sondern holprige Pisten mit großen Klamotten und weniger Staub. Mühsam quält sich das Auto bergauf um die ausgefahrenen Kurven, holpert vor sich hin, quietscht und knarrt an allen Ecken. Kein einziger Reiseführer hatte uns gewarnt, dass Island erst einmal Schotterwüsten, Schotterpisten und Staubfahnen heißt – und dann erst Gletscher, Wasserfälle und Geysire. Vor der Ansichtskartenansicht kommen Ratterratter, Schüttelschüttel, Holperholper und Staub, Staub, Staub. Abends habe ich von dem zweiten kompletten Tag leicht verkrampft hinter dem hin und her hüpfendem Lenkrad Muskelkater in den Armen, im Nacken und in den Schultern. Ich genieße Muskeln, von denen ich lange nicht wusste, dass sie noch da sind. Auf YouTube fand ich ein Video, das ein klein wenig das Fahrgefühl durch Kjölur nachempfinden lässt, auch wenn es am Dettifoss aufgenommen wurde:

http://www.youtube.com/watch?v=xnULz-WkUd0

In all diesem Staub ein Jogger. Die Straße ist 160 km lang. Schotter, Steine, Löcher, manchmal niedriger Grasbewuchs. Keine einzige Ortschaft, nur einige wenige Hütten alle paar Dutzend Kilometer. Wir bemühen uns, noch langsamer zu fahren und so wenig Staub wie nur möglich aufzuwirbeln. Für einige hundert Meter reicht es trotzdem. 160 km. Es ist ein alter Mann, ein alter Mann mit einem Rucksack, der durch diese Landschaft joggt, ohne einen für uns erkennbaren Start und ohne ein derartiges Ziel. Bei der nächsten Sehenswürdigkeit einhundert Kilometer weiter ist er Gesprächsthema.

Ins Hochland
Ins Hochland
Rast
Rast
Schotter & Staub
Schotter & Staub
Aussicht
Aussicht
160 km
160 km
Staubfahnen
Staubfahnen
Ohne Ende
Ohne Ende
Wegzeichen
Wegzeichen
Weite
Weite

Nach der Hälfte der Strecke sind für uns mit einem Schlag alle Strapazen vergessen. Wir fahren auf eine Anhöhe mit einer Stele, vor uns liegt der Hofsjökull mit acht seiner Gletscherzungen, deren blaue Spalten zum Tal zu aufbrechen. Im Rückspiegel ist das langgestreckte Weiß des Langjökull zu sehen. Man kann kaum mit einer besseren Aussicht seine Wegration verzehren. Unser Auto steht einsam inmitten einer flachen Geröllebene bis zum Horizont, bis zu den gletscherbedeckten Bergen.

Allein
Allein
Gletscherzungen
Gletscherzungen

Wir ruckeln weiter, ab jetzt alle paar hundert Meter stoppen wir zum Fotoshooting. Die Gletscher werfen sich in Pose. Kurz nachdem der Hofsjökull hinter den Bergen versinkt, taucht der See mit gleich zwei Gletscherzungen auf. Und kein Weg führt dort hin. Das gibt es doch nicht. Zwei Gletscherzungen auf einmal, am See, und niemand bietet eine Bootsfahrt zu den kalbenden Eiszungen an. Den Norwegern wäre das nie passiert.

Markant
Markant
Am Langjökull
Am Langjökull
Blau - Weiß - Grün
Blau - Weiß - Grün
Eleganz
Eleganz
Zwei
Zwei
Am Gletschersee
Am Gletschersee
Zerklüftet
Zerklüftet
Im Hochland
Im Hochland

Schon bald nachdem wir den Langjökull hinter uns gelassen haben, erreichen wir Gullfoss. Ein Wasserfall mehr dachten wir uns. Lass uns einen Kaffee trinken und dann mal kurz nachsehen. Wir bleiben weit über eine Stunde, knipsen hier, filmen da. Plötzlich bricht die Sonne hervor, ein wunderbarer Regenbogen umspannt den ganzen zweistufigen Wasserfall. Wir knipsen und filmen alles noch einmal. Gullfoss, der Goldene Wasserfall ist es wert. Wir wissen nicht, was uns mehr fasziniert, die Kaskaden am Anfang, auf denen das Wasser Stufe für Stufe nach unten fällt, oder die schmale Spalte, in der alles Wasser gleich darauf verschwindet um als meterhohe Gischt wieder aufzutauchen.

Lupinenfeld
Lupinenfeld
Blinder Hügel
Blinder Hügel
Gullfoss
Gullfoss
Mit Regenbogen
Mit Regenbogen
Abgrund
Abgrund
Untere Stufe
Untere Stufe
Frontalansicht
Frontalansicht
Ganz nah
Ganz nah
Goldener Wasserfall
Goldener Wasserfall
Aufstieg
Aufstieg
Gullfoss
Gullfoss
Dekoration
Dekoration
Unterm Regenbogen
Unterm Regenbogen
Draufsicht
Draufsicht
Betrachter
Betrachter
Der Autor
Der Autor
Wir waren hier!
Wir waren hier!

Endlich ER, für mich die Hauptattraktion der Insel: GEYSIR. Eigentlich nicht Geysir, sondern Strokkur. Geysir, der Namenspatron der Geysire in aller Welt, ist inzwischen eine lahme Ente, wieder eine lahme Ente muss man sagen. Während er Jahrhunderte lang bis zu sechzig Meter nach oben zischte, blieb er lange still. Erst in letzter Zeit, nach einem Vulkanausbruch, brodelt er manchmal einige Meter in die Höhe. Ganz anders Strokkur, das Butterfass. Strokkur bringt es zwar nur auf reichlich die Hälfte des alten Geysir, das aber alle paar Minuten. Man will unbedingt dieses Wunder mit dem Fotoapparat einfangen, steht da und glotzt durch die Linse. Und glotzt und glotzt – und wenn es einem endlich zu lang wird, wenn man mal woanders hinschaut, dann schießt das Wasser plötzlich nach oben, als habe es nur auf diesen Augenblick gewartet. Man fühlt sich dem Geysir irgendwie persönlich verbunden. Wenn es irgendwann doch noch mit dem Foto aller Fotos aller Touristen klappt, kann daraus sogar Freundschaft werden. Der Physiklehrer kann tausendmal erklären, dass das alles nur Naturgesetze sind und man alles zu Hause nachbauen könnte, es sehen, es als Phänomen der Natur ohne jede menschliche Mitwirkung zu bestaunen, ist etwas ganz anderes. Das Gebiet Haukadalur hält noch weitere Phänomene bereit, zum Beispiel die betörend blaue heiße Quelle Blesi.

Heiße Quelle
Heiße Quelle
Blick in die Tiefe
Blick in die Tiefe
Blesi
Blesi
Warten
Warten
"Strokkur"
"Strokkur"
Los!
Los!
Explosion
Explosion
In voller Pracht
In voller Pracht
Strokkur
Strokkur
Bis in die Wolken
Bis in die Wolken
Haukadalur
Haukadalur
Nach dem Ausbruch
Nach dem Ausbruch

Jedenfalls bleibt es für uns nicht beim Mal-Kurz-Gucken, wir können ja immer mal kurz vorbei kommen, liegt doch unser Ferienhaus nicht weit davon entfernt. Unser Ferienhaus, das wir spät abends erreichen, ist eine Wucht. Es hat Platz für sechs bis acht Personen. Auf der Terrasse steht ein Hot Pot, ein Pool, der durch eine geothermische Quelle gefüllt wird. Wenn das Wasser mal nicht ganz sauber ist, einfach ablassen, es gibt ja kostenlos neues Wasser. Leider funktioniert die Technik heute nicht ganz, der Pool ist zu heiß, der Hebel zum Ablassen des heißen Wassers verschwunden, und wir sind zu müde, um das Problem noch heute zu lösen.

Grabstein?
Grabstein?

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