Kurze Rundfahrt durch Soweto

23. und 24. September

Unsere Reise nach Südafrika beginnt turbulent, im wahrsten Sinne des Wortes. Als erste kommt schon mal unsere Maschine zu spät – wegen starkem Wind und Starkregen. Als wir endlich in der Maschine sitzen, gibt der Kapitän das nächste Maleur bekannt. Zwei Passagiere wurden vergeblich ausgerufen. Sie sitzen nicht im Flugzeug, haben aber Gepäck aufgegeben. Also mus unser aller Gepäck durchsucht werden, bis diese Gepäckstücke gefunden sind. Das gestaltet sich offenbar schwieriger als gehofft. Alle Koffer müssen in den Regen gestellt und überprüft werden. Bei einem unserer Koffer war die Feuchtigkeit sogar bis zu den Sachen durchgedrungen, wie wir in Afrika feststellen sollten. Am Ende fliegen wir mit 105 Minuten Verspätung los. Auf dem Flug schaukelt es ungewöhnlich stark.

Mit der Boing 747 “Potsdam” nach Johannisburg

Trotzdem erreichen wir noch den Anschlussflug, der aber wegen der noch immer anhaltenden Turbulenzen auf einigen Luftstraßen ebenfalls verspätet startet. Überraschenderweise hatte die 747, mit der wir fliegen, eine Verbindung in unsere Heimat: Sie trägt den Namen “Potsdam”. Der rEst des Fluges verläuft reibungslos. In Joburg, wie Jonhannesburg von den Einheimischen genannt wird, wartet die Abholung ins Hotel schon auf uns. Problemlos können wir noch auf dem Flugplatz eine SIM-Karte besorgen und etwas Bargeld abheben. Die Verkäuferin der SIM-Karte hört während des Verkaufs nicht nur Musik, sondern tanzt und singt dabei.

Mit dem Tuk-Tuk durch Soweto

Im Hotel verpassen wir beinahe den ersten Höhepunkt unserer Reise. Das Hotelpersonal muss uns wecken kommen. Dabei wollten wir nur ein kleines Nickerchen machen. Zu unserer Ehrenrettung können wir darauf verweisen, dass der bestellte Service eine Stunde früher da ist als vereinbart.

Lebo's Soweto, Soweto
Afrikanisches Essen

Wir fahren auf die andere Seite von Joburg nach Soweto. Wir wollen uns die berühmte Vorstadt ansehen. Die Tour mit Lebo’s Soweto startet mit einem traditionellen afrikanischen Essen, eine Art Gries und verschiedene Zutaten. Anschließend wartet bereits ein gelber Tuk-Tuk auf uns, der mit uns durch Soweto fährt. Hier leben 2,8 Millionen. Eigentlich gibt es mehrere Sowetos. Wir starten in einem durchaus wohlhabenden Teil. Doch die Arbeitslosigkeit ist hoch. Deshalb versuchen viele als Klein- oder Kleinsthändler zu überleben. Mit jedem neuen Stadtteil, durch den wir fahren, wird die Gegend ärmer. Auf der einen Straßenseite stehen nette kleine und sogar große Villen. Auf der anderen Seite gibt es nur noch Blechhütten. Wasser steht auf den Straßen. Unzählige junge Männer stehen beschäftigungslos herum. Wir kommen uns ein wenig wie im Zoo vor und versuchen, sie nicht anzustarren. Wir machen auch kein einziges Foto. Bedrohlich wird es nie. Die Kinder kommen uns lachend entgegen und strecken uns immer wieder ihre Hände entgegen, damit wir sie abklatschen. Ab und zu treffen wir uns mit einer parallel fahrenden Fahrradgruppe und können in Ruhe den Erklärungen lauschen. Wenn wir es richtig verstanden haben, stehen direkt neben dem Slum gute mehrstöckige Wohnungen leer, die entweder nicht angenommen oder nicht zur Verfügung gestellt werden.

 

Lebo's Soweto, Soweto

Hector Pieterson Memorial and Museum

Unser nächster Stopp ist am Mahnmal für die erschossenen Schüler Sowetos. Am 16. Juni 1976 protestierten Schüler und Studenten aus Soweto gegen die rassistische Bildungspolitik des Apartheidsregimes. Obwohl sie nur ungenügend in Englisch und Afrikaans unterrichtet worden waren, sollten die Prüfungen in diesen Sprachen abgelegt werden. Die Proteste eskalierten, die Polizei ging mit äußerster Härte gegen die Kinder und Jugendlichen vor. Es gab über 500 Tote. Als erstes Opfer gilt Hector Pieterson. Das weltbekannte Bild des sterbenden Pieterson ist am Mahnmal zu sehen. Wir erinnern uns noch an die damaligen Nachrichten und verbringen längere Zeit an dem Mahnmal. Daneben steht ein Museum zum Gedenken an das Ereignis. Nur wenig später kommen wir an der Stelle vorbei, an der die ersten Schüler erschossen wurden. Auch dort steht ein kleines Denkmal.

Soweto, Schüleraufstand
Denkmal für den Schüleraufstand

Die Häuser von Mandela und Tutu

Unser letzter Stopp ist am Haus Nelson Mandelas. Gleich um die Ecke steht das Haus von Bischoff Desmond Tutu, der zum politischen Lehrer Mandelas wurde. Heute lebt er nicht mehr dort, und man kann ihn gut verstehen. Die Straße ist zum Tourismuszentrum geworden mit unzähligen Ständen, Bars, Bussen und Menschen. “Das ist die einzige Straße in der Welt, in der zwei Friedensnobelpreisträger wohnten”, erklärt unsere Führerin und setzt hinzu, “es ist außerdem die einzige Straße der Welt, in der auch noch ein weltpolitisch bedeutsames Ereignis stattfand.” Gemeint ist der Aufstand der Schüler. Wir gehen ein Stück zu Fuß, ich kostet dann noch etwas Hühnchen, dass unsere Führerin unauffällig für uns bezahlt.

Mandela Haus, Soweto
Mandela Haus

Zurück am Ausgangspunkt trinken wir mit ihr gemeinsam aus einer großen Schale traditionelles Bier. Gemeint ist wohl etwas, das auch minimal Alkohol enthält. Das wurde, so erklärt sie uns, immer als Zeichen der Freundschaft und des Friedens getrunken.

Am Abend woolen wir noch etwas essen. Das muss bestellt werden. Die Auswahl besteht zwischen Nudeln mit Tomatensoße oder Pizzaservice. Wir entscheiden uns für Pizza und vertreiben uns die Wartezeit mit der Beobachtung von zwei Emus.

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