Walsafari und Reykjavík

Walskelett
Walskelett

19. Juli 2009

Ausruhtag. Wir fahren nach Reykjavík, das von uns etwa 100 km entfernt ist. Die Stadt mit fast 120.000 Einwohnern verfügt über ein Straßensystem, über das keine deutsche Stadt vergleichbarer Größe verfügen dürfte, vom Zustand der Straßen ganz zu schweigen. Die Straßen sind breit und weitläufig, falls erforderlich zweispurig und beleuchtet. Wo immer es angebracht war hat man auf Kreuzungen verzichtet und Kreisverkehre sowie Ab- und Auffahrten und Brücken errichtet. Der Clou ist: Einige Straßen und Gehwege sollen im Winter sogar beheizt werden, um Glatteis vorzubeugen. Ja, wer in einem geothermischem Gebiet lebt …

Auf dem Weg ins Zentrum sehen wir doch tatsächlich einen Blitzer. Dabei ist kaum vorstellbar, wer da in die Falle gehen sollte. Obwohl das auf unserer bisherigen vielleicht zweitausend Kilometer langen Tour durch das Land das erste Zeichen der Ordnungsmacht ist, fahren die Isländer so etwas von vorbildlich, wie ich es noch in keinem anderen Land erlebt haben. Eher wird die Geschwindigkeit unter- als überschritten. Vielleicht liegt es sogar daran, dass nicht an allen Ecken und Enden geblitzt wird. Hier muss jeder selbst die Verantwortung tragen. Trotzdem werden wir an diesem Tag noch mehr Bekanntschaft mit der Polizei machen.

In Reykjavík müssen wir uns entscheiden, Walbeobachtung oder Stadtspaziergang. Ich entscheide mich für die Natur, mich reizt die Chance zu sehr, einmal einen springenden Buckelwal mit seinen weißen Flossen in Natura zu sehen. Meine Frau wählt das feste Land und die Zivilisation. Gemeinsam sehen wir uns zuvor die kleine Ausstellung über Wale an.

Walsafariflotte
Walsafariflotte
Stolze Schiffe
Stolze Schiffe
Ausfahrt I
Ausfahrt I
Ausfahrt II
Ausfahrt II
Skyline
Skyline
Rückblick
Rückblick
Wegweiser
Wegweiser
Auf Suche
Auf Suche
Seeschwalbe
Seeschwalbe
Begleiter
Begleiter
Elegant beigedreht
Elegant beigedreht
Futtersuche
Futtersuche

Ich erlebe Whale Watching ganz anders als oben in Husavik. Das Wetter ist ruhig mit Einsprengseln von Sonnenschein. Das Schiff hat ein Unterdeck, wo man sich aufwärmen kann, falls das erforderlich sein sollte. Auch hier stehen wärmende Overalls und Wetterjacken zur Verfügung. Mir reichen dieses Mal meine eigenen Sachen, um auf Deck zu bleiben. Man kann Essen und zu Trinken kaufen. Alles ist eben eine Spur kommerzialisierter. Nach den Erfahrungen im Norden ist es mir dieses Mal sogar recht.

Zügig fahren wir hinaus auf das Meer. Es dauert nicht lange, bis Wale gesichtet werden. Es sind Zwergwale. Plötzlich tauchen ihre Rückenflosse, die Finne aus dem Meer auf, gleich darauf verschwindet der gekrümmte Rücken wieder im Wasser. Dabei sind die Wale etwas dunkler als das uns umgebende Meer, aber groß ist der Kontrast nicht. Bald erklingt wieder der mir schon bekannte Ruf, Wale links, Wale rechts, Wale auf elf Uhr, auf drei, auf sieben, auf ein Uhr. Wir wechseln rasch die Seiten. Videokameras und Fotoapparate werden ins Meeresgrau gehalten, immer in der Hoffnung, ihn genau in der richtigen Richtung gehabt zu haben, wenn wieder eine Finne auftaucht. Ich verzichte auf Fotos und genieße den Anblick. Ab und zu versuche ich zu Filmen, was leichter als Fotografieren ist, da die Kamera immer drei Sekunden vor dem eigentlichen Start des Aufnehmens abspeichert. An der ersten Stelle schwimmen gleich sechs Zwergwale. Manchmal kann man vorher ahnen, wo ein Wale auftauchen wird, nämlich dort, wo Massen von Vögeln kreischend auf dem Wasser schwimmen oder dicht über dem Wasser fliegen. Möwen, Seeschwalben und Papageientaucher munter durcheinander. Sie alle und die Wale jagen denselben Fischschwarm.

Bald wechseln wir die Stelle und erleben ein recht seltenes Schauspiel. Wir treffen auf einen Schwarm Delphine, die munter durch das Wasser jagen. Manchmal ist nur eine Rückenflosse zu sehen, oft sind es gleich zwei, einige Male sogar drei, die gleichzeitig aus dem Meer auftauchen. Anders als die Zwergwale, die nur mal kurz zu sehen sind, und dann erst ganz woanders wieder auftauchen, kann man den Weg der Delphine immer ein Stück lang verfolgen. Plötzlich taucht inmitten des Delphinschwarms eine andere Finne auf. Ein Zwergwal (oder so etwas wie Sharg in Englisch) taucht nach denselben Fischen, was natürlich den Delphinen nicht in den Kram passt. Es kommt zu einer kleinen Streiterei, zum Körperkontakt zwischen den verschiedenen Spezies. Das soll, erklärt unser netter Guide, sehr, sehr selten sein.

Es war eine interessante Tour. Trotzdem blieb bei mi rein klein wenig Enttäuschung zurück, denn gehofft hatte ich auf solche Aufnahmen, vor allem auf solche am Ende des kleinen Films:

Man sieht die springenden Buckelwale auf den Prospekten, ihre aus dem Wasser hoch hinaus ragende, weiß glänzende Flosse – und hofft auf ein nächstes Mal.

Papageientaucher I
Papageientaucher I
Papageientaucher II
Papageientaucher II

Auf dem Rückweg nach Reykjavík machen wir einen kurzen, aber eindrucksvollen Stop an der Papageientaucher-Insel Akurey. Ganz dicht fährt das Boot heran. Auf dieser Insel lebt eine Kolonie Papageientaucher. Die putzigen Kerle mit ihren bunten dicken Schnäbeln, mit denen sie gleich mehrere Fische auf einmal transportieren können, und mit ihrem torkelnden Flug haben uns schon die ganze Zeit über begleitet. Auf der Insel sind sie zu Hause, wenn sie ihren Nachwuchs ausbrüten und großziehen. Später leben sie hauptsächlich auf dem Meer. Wir haben leider nur wenige Minuten Zeit, um sie bei ihren Geschäften zu beobachten. Ein Betreten der kleinen Insel ist sowieso verboten.

Wieder an Land zeigt mir meine Frau in einem Kurzspaziergang des Zentrum Reykjavíks. Was soll man schreiben über eine Landeshauptstadt, für die man gerade einmal eine Stunde Zeit hatte? Einige Eindrücke drängen sich auch in der Kürze der Zeit auf. Es ist eine hippe Stadt. Man hat sofort das Gefühl, hier ist etwas los, hierher kommen Leute, die etwas erleben wollen, die kreativ oder einfach nur merkwürdig sind. Es gibt erstaunlich viele jungen Menschen, wie übrigens im ganzen Land. So jedenfalls unser Eindruck. Es ist eine Stadt, die gewachsen ist und nicht am Reißbrett konstruiert wurde. Mitunter wirken die Bauten etwas sehr wahllos zusammengestellt. Holz neben Beton, Stein neben Wellblech. Sehr überrascht hat uns die Skyline von Reykjavik. Ja, Reykjavik hat eine kleine Skyline. Das war uns bereits bei der Anfahrt aufgefallen, vom Meer aus wird sie umso sichtbarer. Offenbar gibt es in der drittteuersten Stadt der Welt das Bedürfnis, in die Höhe zu bauen. Platz hätte man ja eigentlich genug, Platz in der Fläche meine ich. Das Land ist extrem dünn besiedelt. Sehr beeindruckt hat mich auch die Hallgrímskirkja mit ihrer nordisch unterkühlten wuchtigen Eleeganz. Davor das Denkmal für Leif Eriksson, dem Entdecker Amerikas.

Während wir durch die Straßen Reykjavíks bummeln müssen wir an ein politisches Großereignis denken. Komisch, bei einem touristischen Spaziergang. Vermutlich hat sich uns das Treffen von Reagan und Gorbatschow im fernen Jahr 1986, als die atomare Abrüstung zum ersten Mal so zum Greifen nah war, stark emotional eingeprägt.

Uferstraße
Uferpromenade
Skyline
Skyline
Wahrzeichen
"Solfarer"
Meerblick
Meerblick
Innenstadt
Innenstadt
Kirche
Hallgrímskirkja
Denkmal
Denkmal für Leif Eriksson
Denkmal
Denkmal für Leif Eriksson
Innen
In der Hallgrímskirkja
Kirche
Hallgrímskirkja
Was
Fríkirkja
Rathaus
Tjörnin
Rathaus
Ráðhús Reykjavíkur
Mahnmal
Mahnmal
Was
Kunst
Was
Weißes Haus

Auf der Rückfahrt sehen wir am Rande einer breiten Straße, die fast schon an eine Autobahn erinnert, ein Motorrad und daneben einen Mann in voller Montur. Während wir uns noch wundern, was er dort macht, blicken wir schon in das Lasergerät, dass er sich vor die Brust hält. Es ist wie bei uns. Natürlich macht er das an einer Stelle, die zum schnelleren Fahren geradezu einlädt, breit, einfach geradeaus, und wo eigentlich keine besondere Gefährdung zu erkennen ist. So weit das Auge blickt sind Lavafelder um uns herum. Wahrscheinlich versucht auch hier der Staat so seine Einnahmen aufzubessern. Zwei Kilometer weiter sehen wir dann auf dieser breiten, geraden Straße einen dieser hochbeinigen Geländewagen stehen, hinter ihm sein Hänger, auf der Seite liegend, vor und hinter ihm Polizeiautos mit Blaulicht. Noch ein Stück weiter, noch immer auf derselben Straße, steht ein Mahnmal gegen Autounfälle. Zwei Autos mit Totalschaden sind auf hohe Stele gesetzt und weithin sichtbar. Der Motorradfahrer und die Blaulichtautos bleiben nicht die einzige Polizei, die wir sehen. Offenbar hat die gesamte isländische Polizei heute Großeinsatz. Tatsächlich fließt am Sonntagabend ein ununterbrochener Strom von Autos auf der Ringstraße nach Reykjavik zurück. Nicht viel, und es gibt Stau. Kaum zu glauben – in Island.

Roter Krater
Roter Krater

Am Rande unserer Fahrtstrecke liegt noch ein kleiner Krater, der ziemlich eindrucksvoll aussieht. In seinem Inneren befindet sich Wasser, Grundwasser. So kann man hier immer genau den Stand des Grundwassers in der ganzen Gegend ablesen. Die Seetiefe schwankt zwischen 7 und 14 Metern. Die Kraterwände sind dunkelrot, und in den sechstausend Jahren seit der Entstehung nur spärlich bewachsen. Den Abend beschließen wir – natürlich – im Hot Pot. Morgen wollen wir früh raus.

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