Im heißen Bach bei Hveragerði

21. Juli 2009

Noch müde erheben wir uns aus dem Bett, frühstücken ausgiebig und beginnen auch sonst den Tag langsam. Ausruhen, Erholen, Entspannen steht auf dem Programm für heute. Gegen Mittag machen wir uns noch einmal auf in das schöne Tal bei Hveragerði, das Tal mit dem heißen Bach, das wir kürzlich wegen des Gewitters so plötzlich verlassen mussten. Wieder gehen wir an den beiden Erdlöchern mit kochendem Wasser und zischend entweichendem Dampf vorbei. Wieder blicken wir auf die Berge, auf denen aus allen Poren Dampf dringt. Wir waten durch den lauwarmen Gebirgsbach. Filmen noch einmal den Dampfkessel, in dem der Modder spritzend aufkocht. Ganz in seiner Nähe haben es sich heute ein paar Schafe gemütlich gemacht. Offenbar haben sie das Warnschild „hætta“ (deutsch: Gefahr) nicht gelesen oder ignoriert. Am Badebach beenden wir diesmal unsere Wanderung – und baden ausgiebig.

Solfatare:

(Länge: 0:31 Min.)

Kochendes Wasser:

(Länge: 0:36 Min.)

Gefährlicher Weg

Wir entscheiden uns für geschätzte 38 Grad Wassertemperatur. Schließlich wollen wir nicht nur einmal kurz hineinhüpfen, sondern länger bleiben. Schnell die Wandersachen aus und die Badesachen an, dann rein ins himmlische Vergnügen. Für einen kurzen Moment empfinden die Füße, die zuerst in das fließende Warmwasser eintauchen, die Temperatur für einen Tick zu hoch. Langsam steigt der Wasserspiegel am eintauchenden Körper und jagt wohlige Schauer durch den Bauch. Dann liegen wir wie in einer Wanne im Wasser, nur dass die Wanne ein Bach aus einer heißen Quelle ist. Das Badezimmer ist ein am Grunde frisches grünes Tal mit gelben Blumen und weißen Wollgras drin. Fließend Warmwasser im alpinen Gebirge.

Wir liegen an einer kleinen Stromschnelle, deren sprudelndes Wasser vom Hals abwärts den Körper umströmt. Sanft massiert es Nacken und Rücken. Mal hier, mal da, mal mit Kraft, mal ganz sanft, ein Masseur ist am Werk, der sein Handwerk versteht wie kein zweiter. Die Wärme dringt langsam durch die Haut in das Innere des Körpers, der sich bald wohlig entspannt. Der Wind treibt uns den warmen, kaum Dampf des Bachwassers ins Gesicht. Links und rechts steigen die Bachufer empor, unten der durchnässte, ein wenig schlammige und moddrige Boden, darüber in kraftvollem Grün die Grasnarbe. Legt man den Kopf in den Nacken, so blickt man in das makellose, dunkle und beruhigende Blau des Himmels. Tief durchatmen, die Situation mit jeder Faser erfassen und festhalten. Solche Augenblicke sind selten, in denen man so sehr eins ist mit sich und der Welt ist. Dann einmal auf den Bauch drehen und Brust und Bauch dieselbe Wohltat gönnen wie zuvor Nacken und Rücken.

Als es doch zu warm wird, steigen wir hinaus. In Badekleidung sitzen wir in der vielleicht 15 oder 16 Grad warmen Gebirgsluft. Ein kühler Wind umweht dem Körper und lässt ihn leicht frösteln. Nach dem zweiten Badegang merkt man auch davon nichts mehr. Bevor das leichte Frösteln eine Chance erhält, zum Frieren zu werden, steigen wir wieder in das Bad, diesmal in die tiefe Kuhle oberhalb der kleinen Stromschnelle. Selbst sitzend schaut jetzt gerade noch der Kopf aus dem Wasser. Das Wasser strömt uns mit leichtem Plätschern von vorn entgegen und umschmeichelt unsere durchwärmten Körper. Bald sind wir nicht mehr die einzigen in diesem Naturbad. Zwei junge Frauen aus Deutschland baden gleich neben uns, ein Engländer sucht oberhalb von uns den Übergang über den dort ziemlich heißen Fluss. Wir sagen ihm, dass er den Gang durchs Wasser erst nach der Vereinigung mit dem kalten Bach wagen kann. Weiter unten, bei vielleicht 34 Grad nimmt eine ganze isländische Familie Platz, mit Kind und Kegel. Ein junges Pärchen ist traurig, weil es keine Badesachen mit hat. Ohne traut es sich nicht hinein.

Auch der schönste Sommertag geht einmal zu Ende. Fast drei Stunden heiß baden sind genug. Wir fotografieren und filmen noch einmal alles, was wir beim letzten Mal schon fotografiert und gefilmt haben. Zum einen, weil wir Angst haben, irgendeinen Aspekt dieser wunderbaren Gegebenheit nicht festgehalten zu haben. Zum anderen, weil heute mit dem strahlend blauen Himmel alles noch viel schöner wirkt. Wir wandern zurück.

Spät abends sitzen wir schon wieder im warmen Wasser. Hot Pot auf der riesigen Terrasse ist Pflicht, warmer Gebirgsbach hin oder her.

Siehe auch Artikel Tageswanderung bei Hveragerði.

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Hinweis: Das eigentliche Tal liegt nördlich von Hveragerði. Wenn man sich dort weiter hineinzoomt, kann man auf dem Satellitenfoto sogar die weißen Dampfwolken der Solfatare und den Bach erahnen.

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